
Regioguide Artikel Artikel |
| Die Geschichte des WGT |
Pfingsten in Leipzig wird Anno 2006 schon zum 15. mal Dreh- und Angelpunkt der schwarzen Szene: Das Wave Gotik Treffen, kurz WGT, lockt auch dieses Jahr vom 02. bis zum 05. Juni mit einem vielfältigen Programm und wie zuvor werden auch dieses Jahr tausende Festivalbesucher aus aller Welt erwartet. Während der vier Tage wird neben Konzerten verschiedenster Gothic-, Folk- und Industrial- Stilrichtungen auch ein vielfältiges Rahmenprogramm jenseits der Musik geboten, welches sich gewohnt über der ganzen Stadt Leipzig erstreckt und Kino- und Theatervorführungen, Autorenlesungen, Ausstellungen, Live-Rollenspiel, Mittelaltermärkte und spezielle Verkaufsstände beinhaltet. Zu den etablierten und bekanntesten Veranstaltungsorten zählen die Agra-Halle (Konzerte und Mitternachtsspecials bzw. Aftershowparties), die Parkbühne (Open Air Konzerte), Torhaus Dörlitz (mittelalterliches Markttreiben), Moritzbastei (Mittelaltermarkt „Wonnemond“/ Konzerte & Parties). Weitere Brennpunkte des WGTs sind das Völkerschlachtdenkmal, das Werk II, der Club „Darkflower“, das Haus Auensee und das Haus Leipzig sowie viele andere mehr. Die Wurzeln des WGT reichen bis in die frühen 90er Jahre zurück, als sich im Leipziger „Eiskeller“ ca. 1500 Freunde und Gleichgesinnte trafen und ein noch sehr privates Festival begründeten... Noch zu DDR Zeiten gab es bereits frühere Versammlungen, so z.B. 1987 in Potsdam / Bellvedere, welche man auch zu den frühen Einflüssen der schwarzen Festivalkultur zählen kann. Damals mussten Treffen dieser Art noch im Verborgenen abgehalten werden, denn die Anhänger der Wave- und Punkbewegung galten in der DDR als staatsfeindliche Subjekte! Solche angeblichen „Bedrohungen“ und „Zusammenrottungen“ waren stets mit Verhaftungen begleitet. Es gab auch in anderen Orten Versuche, größere Treffen zu organisieren, so z.B. in Köln und Berlin, doch nur in Leipzig stieg die Zahl der Besucher kontinuierlich: 1992 kamen bereits 2000 Leute in den „Eiskeller“. Schon damals waren Konzerte nur ein Teil des Programms. Neben Konzerten von „Das Ich“ und “Calva Y Nada“ ging es damals schon rund um den schwarzen Status Quo. Damals wurden an ganzen drei Verkaufsständen u.a. auch der berühmt berüchtigte Treffen Becher verkauft, welcher heute ein begehrtes Sammlerstück ist. Ein weiterer wichtiger Einfluß ist die Kombination aus Neo-Romantik und Mittelalter, Themen, welche bis heute im Programm vertreten sind. Innerhalb der offiziellen 15 jährigen Geschichte gab es auch einige Patzer, doch nach dem Wechsel der Veranstalter ist es nun ein professionell veranstaltetes Festival und mittlerweile zurecht das größte Szenetreffen der Welt. Das dass WGT aus den Kinderschuhen heraus- bzw wieder hereingewachsen ist, lässt sich auch daran erkennen, dass es seit letztem Jahr sogar eine Kinderbetreuung gibt. Die Eltern können sich zu den Exklusivauftritten vergnügen während der Nachwuchs betreut wird. Der Independent Charme der Anfänge wurde abgestreift und durch ein strukturiertes Konzept abgelöst. Das macht das Event auch für auftretende Bands lukrativ: So gibt es kein anderes Festival mit einer solchen Fülle von exklusiven Auftritten, Premieren und einmaligen Aufführungen. So hatten z.B. auch „Silke Bischoff“ ihren ersten Liveauftritt in Leipzig, die britischen Industrial Klangkünstler „Coil“ ihren letzten. Alles trifft in Leipzig zusammen. Auch im Jahr 2006 gibt es wieder einige Bandauftritte, welche sich lohnen, genauer betrachtet zu werden. So haben sich für dieses Jahr die Gründungsmitglieder von „Heaven 17“ wieder zusammengefunden, um in Leipzig im Rahmen eines Mitternachtsspezials aufzutreten. Eigentlich eine logische Konsequenz, denn bereits 2005 traten „Human League“ auf, also jene Formation, aus welcher auch „Heaven 17“ hervorgingen und welche hauptsächlich in den damaligen Zentren der elektronischen Musik London und Sheffield aktiv waren. 1981 erschien das Debut „Penthouse and Pavement“, welches den Stil von „Human League“ weiterentwickelte und für einige eines der ersten Synthie Pop Alben darstellt. Weiterhin wurde von „Heaven 17“ auch die „British Electric Foundation“ begründet, in den 90ern waren die Mitglieder in der britischen Kunstszene tätig und beschallten diese mit Klanginstallationen. Weitere Infos zu der Gruppe findet ihr auf www.heaven17.de Ein weiteres Highlight wird der erste Auftritt der nach Trennung wiedervereinigten EBM Gruppe „Nitzer Ebb“ werden: Gegründet 1982 zählen auch sie zu dem Urgestein der Szene und werden in einem Atemzug mit Gruppen wie „Front 242“ genannt. Ihre erklärten Vorbilder waren damals bei Gründung „DAF“, „Die Krupps“ und „Malaria“ und nachdem sie eine Weile den Untergrund im Umfeld von Essex unsicher machten, erschien 1985 ihre erste Maxi „Isn’t it funny how your body works“. Da ist die Band um Shouter Douglas McCarthy im Schnitt gerade mal Volljährig. In London erreichten sie schnell Kultstatus, wurden vom Label „Mute“ gesignt und nachdem die (heute noch gern gespielten) Stücke „Murderous“ und „Let your body learn“ erschienen, schwappte die „Nitzer Ebb“ Welle bis in die USA. Eine Tour mit Labelkollegen „Depeche Mode“ im Jahr 1988 festigte ihren Status und sie entwuchsen dem Underground-Dasein. Doch mit zunehmender musikalischen Entwicklung schwanden die Verkaufszahlen, nach der Tour zu dem Album „Big Hit“ lösten „Nitzer Ebb“ sich stillschweigend auf. Bandmitglied Bon Harris, der Soundtüftler und Studiofreak der Formation hilft fortan bei diversen Produktionen aus, so z.B. bei Alben von „Marilyn Manson“ und „Smashing Pumpkins“. McCarthy ist danach u.a. auf Alan Wilders (Ex-Depeche Mode) Projekt „Recoil“ zu hören. Für das Album „Unsound Methods“ schrieb er Texte zu zwei von ihm gesungenen Stücke. Ende 2004 tritt Douglas McCarthy wieder überraschend musikalisch in Erscheinung, als er mit den Techno DJ Fixmer zusammen das Album „Between the Devil“ herausbringt. Seitdem werden Tanzflächen wieder mit neuem Material beschallt, welches McCarthy’s Stimme featured. Mehr Infos über den Aufstieg und Fall von „Nitzer Ebb“ findet ihr auf: www.nitzer-ebb.de Nach „Nitzer Ebb“ tritt eine weitere Band auf dem diesjährigem WGT auf, welche von den internationalen Tanzflächen nicht mehr wegzudenken ist: Die Rede ist von den ebenfalls britischen „VNV Nation“. „Nitzer Ebb“ wußte die 1990 gegründete Band um Sänger Ronan Harris zu schätzen und nahmen die Newcomer mit auf ihre Ebbhead Tour. Unter den Label „Discordia“ erschien 1994 endlich das Debut „Advance & Follow“, welches sich sofort im Standart Repertoire der DJs wiederfand. In den 90er Jahren revolutionierten sie die Szene mit einer Kombination aus technoiden Beats und eingängigen Vocals. 1999 gründeten sie zusammen mit „Covenant“, „Suicide Commando“ und „Velvet Acid Christ“ das Label Dependant. Die Label Erstveröffentlichung „Empires“ war gleich schon ein Szenehit und belebte den ersten Platz der DAC Charts des Jahres. Mit den Folgewerken „Futureperfect“ und „Matter & Form“ festigten sie ihren Ruf als Speerspitze moderner Tanzmusik. Lobend muss auch anerkannt werden, dass sie mit ihrer Beteiligung am EHW (Elektronisches Hilfswerk) dazu beigetragen haben, dass u.a. der Deutschen Krebshilfe eine Spende von 45.000 Euro übergeben werden konnte. Mehr über die caritativen Tanzflächenfüller könnt ihr unter www.vnvnation.de nachlesen! Ein wirkliche Seltenheit wird der Auftritt des Multitalents „Lydia Lunch“ werden: die US-Amerikanerin zählte zu den wichtigsten Einflüssen der Avantgarde der 80er Jahre und arbeitete mit einer Vielzahl bekannter Musiker und Künstler. 1977 gründete sie die No Wave Band „Teenage Jesus & The Jerks“, welche nur kurz bestand aber viele darauf folgende Gruppen beeinflußte. Danach wirkte sie in audiovisuellen Projekten von J.G.Thirwell (Foetus) mit, sang mit Nick Cave zusammen in der Band „Birthday Party“ und war im Umfeld der „Einstürzenden Neubauten“ tätig. Fatal-Diva „Diamanda Galas“ zählt sie zu ihrem engsten Freundeskreis- lauter illustre Namen also, welche Lydia Lunchs hemmungslose und ungezügelte Art der Performance zu schätzen wissen. Während ihrer gesamten Schaffensphase spielte sie in zahlreichen (Kurz)filmen mit und gab einige Spoken Word Performances zum Besten. Wenn ihr euch mehr über Lydia und ihre zahlreichen Projekte informieren wollt, dann unter: www.lydia-lunch.org Mittelalterlich geht es bei der Carmina Burana Interpretation Cantus Buranus von „Corvus Corax“ zu. Die Liedersammlung aus dem 13.Jahrhundert wurde schon oft in verschiedenen Weisen interpretiert. Am bekanntesten dürfte die Fassung von Carl Orff sein, welche in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts vertont wurde. Nun wird sie von den Berliner Spielleuten in neuer Art dem Leipziger Publikum vorgeführt: Jahrhunderte alte Stücke werden Hörgewohnheiten der heutigen Zeit angepasst. Seit 15 Jahren beschäftigt sich die Band schon mit einzelnen Stücken des Gesamtwerkes, erst nach langen Reisen über verschiedene Märkte Europas, intensiver Recherche und Rücksprache mit diversen Spielleuten präsentieren „Corvus Corax“ Cantus Buranus live. Einen Vorgeschmack davon kann man sich auf der kürzlich veröffentlichten Live-DVD mitbekommen, einem Mitschnitt, der im August 2005 auf der Berliner Museumsinsel aufgenommen wurde. Mit 180 Gastmusikern ein bombastisches Ereignis der mittelalterlich-orchestralen Art! Dies ist nur ein winziger Ausschnitt des Programms, was dieses Jahr geboten wird. Auf der offiziellen Treffen Seite und bei uns im WGT-Thread findet ihr die jeweils aktuelle Band- und Programmauswahl. Der Kartenvorverkauf beginnt Ende März; die Karte für das 15. Wave Gotik Treffen kostet inklusive VVK-Gebühr 56,- Euro. Die Karte beinhaltet die Fahrtberechtigung für öffentliche Verkehrsmittel. Die Obsorgekarte, welche die Zeltplatznutzung, die offizielle WGT-CD und den „Pfingstboten“ beeinhaltet kostet zusätzliche 20,- Euro. Karten könnt ihr hier vorbestellen: www.wave-gotik-treffen.de |